Atomtransporte stoppen auch in Bremen!

Wo:Infoladen Bremen
Wann:24.02.16 um 20:00 Uhr
Was:Vortrag
Kurz:Vortrag über die AREVA-Uran-Fabrik in Narbonne-Malvesi (F)

Atomausstieg? Von wegen … Die Atomfabriken in Gronau (UAA-Urananreicherungsanlage in NRW) und Lingen (Brennelementefabrik in Niedersachsen) haben unbefristete Betriebsgenehmigungen. Die Anlage in Gronau erzeugt rund 10% der weltweit produzierten Menge an angereichertem UF6 (Uranhexafluorid). Sie kann mehr als 30 AKW versorgen und stellt damit die mit Abstand wichtigste deutsche Atomanlage dar.

Aber die große Unbekannte im weltweiten Atomgeschäft ist der Industrieanlagenkomplex ‚Malvési‘, gelegen nördlich der 50tausend Einwohner zählenden Stadt Narbonne am Mittelmeer. Hier, wo 25% des weltweit im Umlauf befindlichen sogenannten Yellow-Cakes verarbeitet wird, fängt die Atomspirale auf europäischer Ebene an. Yellow-Cake ist aufkonzentriertes Uranerz, das direkt bei den Uranminen in einem der dreckigsten Industrieverfahren überhaupt produziert wird. Kasachstan und Kanada, Namibia und der Niger sind Herkunftsländer. Und Woche für Woche ziehen die Container mit diesem Uranerz an den Großstädten vom Hamburger Hafen aus über Bremen und dem Ruhrgebiet nach Südfrankreich.

In Seen von über 30 Hektar Fläche hat die Betreiberfirma Areva den bei der Umwandlung des Uranerzes in Urantetrafluorid mittels ätzender Salpetersäure, gasförmigem Ammoniak und Flußsäure anfallenden strahlenden Atommüll eingeleitet. Das entspräche einem Abklingbecken so groß wie der Werdersee unter freiem Himmel. Die radioaktive Belastung ist immens, aber französischen Behörden gilt Malvési nicht als Atomanlage.

Diese für die Atomindustrie zentrale Anlage wollen wir in einer Veranstaltung genauer unter die Lupe nehmen. Cécile Lecomte berichtet über die Umweltverseuchung und von ihren Besuchen bei der letzten Bewohnerin des ehemaligen Örtchens, die sich standhaft nicht vertreiben läßt, und deren Enkelin, die in Narbonne ein Kultur-Café betreibt, in dem auch politische Infoveranstaltungen zu den Blockaden von Urantransporten auf LKWs stattfinden.

Anhand der Erfahrungen, die die Bewohner*innen mit der Betreiberfirma und den zuständigen Atom-Behörden machen mußten, wird aufgezeigt, wie sehr der französische Staat mit seinem Atomkonzern Areva verstrickt ist. Das äußert sich auch im Umgang mit den Arbeitern der Uranfabrik: Weil es offiziell keine “kerntechnische” Anlage ist, kann es auch keine Strahlenkrankheiten geben. Mit dieser Lüge werden die Forderungen eines an Leukämie erkrankten ehemaligen Mitarbeiters abgewiesen.

Schließlich geht es Cecile auch darum, durch die Schilderung des Anti-Atom-Widerstandes in Frankreich die Internationalität des Kampfes aufzuzeigen sowie Verbindungen über die Landesgrenzen hinaus herzustellen. Das Wiederanfahren der beiden Schrott-Reaktoren in Belgien kurz vor Weihnachten macht diesen Aspekt des Austausches deutlich.

Die „Kampagne gegen Atomtransporte“ stellt den Versuch dar, die atomare Produktionskette nicht am Ende – beim Atommüll – sondern an ihrem Beginn – der Versorgung von AKW mit Brennstoff – anzugreifen. Wir verstehen die dazu notwendigen Transporte als Achillesferse der Atomindustrie – ohne sie könnten Atomkraftwerke nicht laufen.

Atomausstieg? Alles muss mensch selber machen!

Mit der Kampagne gegen Atomtransporte wollen wir den Blick vom Atommüll auf die Brennstoffkette lenken. Überall wo das dafür benötigte Uranerz und Uranhexafluorid transportiert werden, lässt sich der sofortige Atomausstieg selbst durchsetzen. Dieser ist für uns keine rein technologische Frage. Denn eine andere Energieerzeugung und -versorgung ist für uns nicht trennbar von der Gleichberechtigung der Bedürfnisse und Belange aller weltweit davon Betroffenen. Auf diese Weise ist sie verbunden mit der Suche nach einer herrschaftsfreien und selbstbestimmten Gesellschaft.

Leave Uranium in the ground!