A-Cafe: Plötzlich reden alle über G20

Wo: Sielwallhaus
Wann:02.04.17 um 15:00 Uhr
Was:Vortrag
Kurz:Diskussion ausgehend von aktuellen Texten

Gipfelproteste waren seit Seattle 1999 ein Katalysator des radikalen Widerstands, Individuen und Gruppen kamen zusammen, tauschten sich aus, standen gemeinsam hinter Barrikaden und trugen[bestenfalls] die Flamme des Widerstands in ihre Regionen zurück. Dann kam die Kritik vom Eventhopping und die Sektlaune einiger Bewegungsmanager*innen …
Wenn der G20 im Juli 2017 nach Hamburg kommt, sehen wir keinen Erfolg in einer Mobilisierung, die viele Menschen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner versammelt und von der am Ende wenig mehr bleibt als simple Botschaften. Ohne radikale Antworten lassen sich die zentralen politischen Fragen der Gegenwart nicht lösen, der Klimawandel nicht stoppen, Armut und Grenzen nicht abschaffen.
Wir hingegen rufen zu einer Kampagne im Vorfeld auf – gegen jede Form von Herrschaft.
Wir sehen uns nicht als mahnende Stimme im Wettbewerb des kapitalistischen Elends, sondern als Teil derjenigen, die es hier nicht mehr aushalten wollen, die eine verordnete Alternativlosigkeit der kapitalistischen Verhältnisse nicht akzeptieren. Wir wollen eine andere Form gesellschaftlichen Zusammenlebens. Wir suchen dabei nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner oder den Kompromiss, sondern Brüche und Experimente für eine Welt, in der viele Welten möglich sind.

(kleine Collage aus den folgenden Texten)

Für Differenzkultur und radikale Antworten gegen den Wettbewerb der Elendsverwaltung

Im Flugblatt der Kampagne “Flora bleibt unverträglich” wird angesichts des G20-Gipfels für eine unverstellte Fortsetzung der eigenen Praxis geworben. Diese soll auch radikale Antworten auf die integrierten Bestandteile des Kapitalismus, wie z.B. ökonomische Neuordnung, Kriege, Umweltkatastrophen, heterosexistische Männergewalt, Antisemitismus enthalten. Im Laufe des Textes werden viele Widrigkeiten benannt. Statt auf Gesellschaftsfähigkeit, auf Elendsverwaltung und auf ordentliche Proteste zu setzen, empfiehlt die Kampagne den Protesten eine politische Bestimmung, Brüche, Differenzen, Streitkultur und Antifaschismus.
Da der Gipfel in der Innenstadt abgehalten wird, reflektiert sie deren dichten, überraschenden Charakter, in der schon Kämpfe um Gefahrengebiete, Großprojekte und Rassismus ausgefochten wurden. Trotz eines Bezuges auf ein linkes Protestspektrum seien dort keine allgemeingültigen Regeln aufzustellen.
Der politischen Scheindebatte um Protektionismus und Globalisierung, der Spezialisierung auf Staatsoberhäupter oder den Schulterschluss des “kleinen Mannes” setzt das Flugblatt die antikapitalistische
Perspektive, eine Gegenrealität der Autonomie der Migration, der Aneignungskämpfe, der Revolte und ein anderes Zusammenleben entgegen, das die Gesellschaft radikalisieren soll.

Link: http://florableibt.blogsport.de/2016/12/01/schluss-mit-dem-konsens/

Anarchistischer Aufruf gegen das G – 20 Treffen in Hamburg

Der kürzere anarchistische Aufruf lässt in der Beschreibung der Herrschenden weniger Vorsicht walten, weil er zugleich generelle Alternativen wie Selbstbestimmung und horizontale Organisierung benennt.
Die Wut der Straße und die Paranoia der Herrschenden wird als befreiendes Moment wahrgenommen. Der erfahrenen und analysierten Herrschaft, wie der patriarchalen über die Frauen, der Arbeit über die eigene Zeit, des Geldes über das Sozialverhalten, der Festung Europa, wird offen der Kampf an gesagt. Der Aufruf zielt denn auch auf deren sofortige Zerstörung, schon vor dem Gipfel.
Eine nüchterne Betrachtung der Gipfelproteste der letzten Zeit hilft den Anarchist_innen gegen leerlaufende Vereinnahmungsversuche und verdrehte Aktionskonsense zu argumentieren. Zugleich wird aber über die An- und Abwesenheit der Anarchie in Protesten eine theoretische Debatte angeregt.

Link: https://linksunten.indymedia.org/en/node/188436