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Sehnsucht nach Gemeinschaft – Über den postrukturalistischen Flirt mit dem Islam
Ein Vortrag mit Andreas Benl
Rund zwei Monate liegen die Wahlen im Iran bereits zurück, vor wenigen Tagen nun hat das geistliche Oberhaupt des Landes Ayatollah Ali Chamenei den bisherigen Präsidenten Mahmud Ahmadinedjad für eine weitere Amtszeit vereidigt. Damit bleibt der Iran auch im 30. Jahr nach der islamischen Revolution fest unter der Knute eines Regimes, dessen politische, gesellschaftliche und kulturellen Koordinaten von einer Gruppe fundamentalistischer Mullahs gesetzt werden. Ihr erklärtes Ziel bildet die Wahrung und Stabilisierung des Iran als einen islamischen Gottesstaat in dem alles Gesellschaftliche sich den Gesetzen der Scharia zu unterwerfen hat. Nach innen bedeutet dies die kompromisslose und brutale Verfolgung all jener, die sich dem Tugendterror nicht beugen, für die es abseits des islamistischen Glaubenskorsetts den Wunsch nach individuellen Freiheiten und Selbstbestimmung gibt. StudentInnen, Frauen, Homosexuelle, DissidentInnen – ihnen allen droht bei der Entlarvung oppositioneller Aktivitäten oder bei der bloßen Bekundung von Widerspruch Folter, im schlimmsten Falle sogar der Tod. Die nach innen gewendete Repression und Verfolgung findet in einer Außenpolitik ihre Entsprechung in der ebenfalls all jene ins feindliche Lager gerechnet werden, deren Begriff von bürgerlicher Freiheit den religiösen Doktrinen des Korans zuwider läuft. Die wirkungsmächtigste ideologische Figur bildet in dieser Konstellation der antisemitische Hass auf den Staat Israel. Die fortwährende Leugnung des Holocaust, die wiederholten Drohungen der Auslöschung des israelischen Staates, sowie das unnachgiebige Festhalten am Atomprogramm verdeutlichen die Ernsthaftigkeit und den antisemitischen Wahn mit dem gegen die „zionistische Entität“ zu Felde gezogen werden soll. Gleichwohl treten seit der ostentativen Wahlfälschung im Juni die so mühsam verdeckten Brüche im gesellschaftlichen Leben offen zu Tage. Obgleich sich an den Kandidaten der Opposition und ehemaligen Ministerpräsidenten Mir Hussein Mussawi nur schwerlich die Hoffnungen auf eine Liberalisierung des Iran heften lassen, avancierte er im Verlauf der Massenproteste in Teheran, Isfahan Über die Notwendigkeit des Einspruchs! und Schiras zu einem Symbol weitreichender Freiheiten und Säkularisierung. Die Millionen von vor allem jungen Menschen, die sich mit bis dato ungekannter Vehemenz nicht nur gegen den Wahlbetrug, sondern auch gegen die alltägliche Zurichtung ihres Lebens stemmen, haben das islamistische Regime in die wohl schwerste Krise seines Bestehens gestürzt. Wir wollen die Veranstaltungsreihe dazu nutzen, uns in erster Linie mit der Opposition im Iran und ihrem Kampf für Freiheit und Säkularisierung und gegen den islamistischen Tugendterror zu solidarisieren. Zugleich wollen wir die äußerst heterogene Bewegung, die zuweilen widersprüchlichen Ziele der Protestbewegung auf ihren emanzipatorischen Charakter hin befragen und schauen, welche Anknüpfungspunkte es für eine radikale Linke in Deutschland und Europa geben kann. Dies erscheint uns vor allem im Hinblick auf den Umgang mit Israel, dem offenen Antisemitismus des iranischen Regimes von zentraler Bedeutung. Nicht zuletzt geht es um die Haltung einer deutschen Linken zum Iran, deren Kritik an der menschenverachtenden Politik oftmals hinter einen antiimperialistischen Reflex zurückfällt, die ihren Anspruch nach Emanzipation und Freiheit mit dem Sermon vom „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ oder „westlichen Menschenrechtsimperialismus“ selbst konterkariert. Veranstaltungen: Zur aktuellen Situation im Iran mit Stephan Grigat Dienstag 15.09.09 um 20 Uhr in der Villa Ichon (in Kooperation mit der Heinrich- Böll Stiftung) Die Situation der Frau im Gottesstaat Iran mit Fathiyeh Naghibzadeh Dienstag 29.09.09 um 20 Uhr in der Villa Ichon „Kopftuch als System“- Film von Fathiyeh Naghibzadeh Dienstag 13.10.09 um 19.30 Uhr in der Mediencoop des Lagerhauses Sehnsucht nach Gemeinschaft- Über den postrukturalistischen Flirt mit dem Islam mit Andreas Benl Dienstag 27.10.09 um 19.30 Uhr in der Villa Ichon Kontakt: Anti.antisemitismus@gmx.net |