Queering Naturschutz

Wo:Mädchenkulturhaus
Wann:17.04.18 um 19:00 Uhr
Was:Vortrag
Kurz:Vortrag von Michaela Deininger

Queering Naturschutz
Queerfeministische Perspektiven auf die Bewertung von ‚Natur/en’ im Prozessschutz

Als Reaktion auf die zunehmende Bedeutung eines funktionsfähigen Naturhaushalts wird die Erfassung und Bewertung von Ökosystemen und ihren Leistungen derzeit viel diskutiert. Ob und ggf. wie diese Erfassung und Bewertung jedoch kapitalismus-, macht- und herrschaftskritisch erfolgen kann, wurde bislang nur ungenügend untersucht. Grund hierfür ist u.a. die teilweise mangelnde Integration von sozial- und naturwissenschaftlichen Wissensbeständen und Methoden. Diese notwendige Integration wird erschwert, da viele Teildiskurse im Disziplinären verharren und so die notwendige Kritik von Dichotomisierungen und der in ihnen eingeschriebenen Herrschaftsverhältnisse nicht leisten können. Genau an dieser Stelle knüpft diese Studie an, die durch ihre (queer-)feministische Perspektive auf Naturbewertung, Naturschutz und naturwissenschaftliche Theorien, Modelle, Kategorien und Konzepte von vornherein die Grenzen zwischen den Disziplinen überschreitet. Die (queer-)feministische Perspektive bietet Raum für Denkansätze, die sich über Normativitäten in Forschungsagenden hinwegsetzt. Das Queering richtet sich dabei nicht ausschließlich auf Naturwissenschaften und deren Forschungsgegenstand, sondern ebenso auf deren Status als Forschungsparadigma, das sein eigenen normativen Modi der Wissensproduktion hervorgebracht hat: „Queer defines itself against ‚regimes of the normal‘ […], and normals includes normal business in academy“ (Shephard, 2016: 32; Warner, 1993: xxvi). Binaritäten, wie männlich/weiblich, Kultur/Natur, Subjekt/Objekt, hier/dort, eigen/fremd, nutzen/schützen sind im kritischen Fokus der Analysen.

Zur Referentin*: Michaela Deininger (M.A. Europalehramt, M.Sc. Global Change Ecology) forscht zu Naturschutz, Ökosystemfunktionen/ -leistungen und Ökonomiekritik. Sie* arbeitet im Forum für Gender-Kompetenz der Fakultät für Architektur und Landschaft der Leibniz Universität Hannover im MWK-Projekt “Caring for natures? Geschlechterperspektiven auf (Vor)Sorge im Umgang mit 'Natur/en’”. Im Rahmen ihres Dissertationsvorhabens untersucht sie* zwei naturnahe Ökosysteme der 'alten Wildnis’.