Regressionsgefahr. Queer Refugee Support

Wo: ganz woanders!
Wann:22.01.19 um 18:30 Uhr
Was:Vortrag
Kurz:Vortrag und Diskussion mit Steffen Sto

Im März 2016 wurde das Projekt /Queer Refugees Hannover /gegründet, das
sich der Unterstützung von schwulen, lesbischen, bi-, trans- und
intersexuellen sowie transgender Geflüchteten bei der Durchsetzung ihrer
Bedürfnisse und Interessen annimmt. In mehr als zwei Jahren Tätigkeit in
der Gruppe sind die Erfahrungen mit diesem Projekt widerspruchsvoll und
geben eine kritische Selbstreflexion auf. Dazu sollen sie auf die
gesellschaftlichen Bedingungen zurückgebeugt werden, die aller
aktivistischen Praxis vorgängig sind und ihrer emanzipatorischen Absicht
entgegenstehen. Indiz dafür ist die Beobachtung, dass die Unterstützung
von Geflüchteten sich allzu schnell in einem endlosen Kreislauf von
Asylanträgen, Ablehnungsbescheiden, Klagen und Umverteilungsanträgen
verfängt und letztlich in bloße Elendsverwaltung regrediert.

Dies ist allein aus der Analyse des Kapitalverhältnisses heraus zu
verstehen, dessen Logik des Selbsterhalts durch Produktion und
Konsumtion sich auch dort durchsetzt, wo die Subjekte gegen Herrschaft
zu opponieren meinen. An individuellen Bedürfnissen von Geflüchteten
orientierte Unterstützung – /so kategorisch sie geboten ist/ –
affirmiert notwendigerweise das Kapitalverhältnis, insofern
‚Flüchtlingspolitik‘ nicht mehr als „perennierender Skandal“ (Leo Elser)
denunziert, sondern als nützliches Mittel gesehen und damit die
Verwaltung von Menschenleben in bester Absicht mitbetrieben wird. Viele
Gruppen zur Unterstützung von queeren Geflüchteten sind institutionell
eingehegt und formieren das, was unter dem Begriff der „politischen
Ökonomie des Helfens“ (Silke van Dyk / Elène Misbach) gefasst werden soll.

Konsequenzen aus diesem grundlegenden Widerspruch für die aktivistische
Praxis können indes nicht ohne die Reflexion aufs Subjekt und dessen
aktivistisches Selbstverständnis gezogen werden. Deshalb werden die
Reflexionen im zweiten Teil des Vortrags in den Kontext der Debatte um
die Kritik an queerem Aktivismus gestellt. Dieser bedient sich der
postmodernen Ideologiebildung, unter der Rassismus und Flucht zu
Diskursen geraten und nicht mehr in ihrer historischen Spezifik gefasst
werden. Deshalb verschiebt Aktivismus sein Anliegen zu einer moralischen
Parteinahme für Minderheiten. Dieser Ansatz aber, blind gegenüber der
gesellschaftlich vermittelten Vereinzelung, evoziert ‚queer‘ als
Vergemeinschaftungsideologie in abgeschotteten Schutzräumen. Dem wäre
der Kampf gegen die Repression der Differenz als Konstitutionsbedingung
aktivistischer Bündnisse entgegen zu halten. Vor diesem Hintergrund wird
abschließend die grundsätzliche Frage gestellt, wie das Verhältnis von
materialistischer Gesellschaftskritik und auf partikulare Interessen
zielender queerer Politik zu bestimmen ist.

Datum: Dienstag 22. Januar
Uhrzeit: 18:30
Ort: Campus Haarentor der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Raum: BIS-Saal
Adresse: Uhlhornsweg 49-55, 26129 Oldenburg
Koordinaten: 53.147659, 8.179789

Link zur Veranstaltung im AStA-Terminkalender:

https://asta-oldenburg.de/event/steffen-stolzenberger-regressionsgefahr-queer-refugee-support-in-der-politischen-oekonomie-des-helfens/