ABGESAGT!! //Racist violence in custody – Gefahr durch „Sicherung“

Wo: ganz woanders!
 Vor der Bürgerschaft
Wann:15.03.20 um 15:00 Uhr
Was:Infoveranstaltung
Kurz:Einladung zum „Stattspaziergang“ anlässlich des *Internationalen Tages gegen Polizeigewalt

english version see below

*Racist violence in custody – Gefahr durch „Sicherung“

*Einladung zum „Stattspaziergang“ anlässlich des *Internationalen Tages
gegen Polizeigewalt* am 15.03.2020 – Treffpunkt 15 Uhr vor der Bremer
Bürgerschaft

Spätestens seit den Toden von Achidi John, von Amad Ahmad, von Laye
Condé und von Oury Jalloh wissen wir, dass es für Schwarze Menschen,
People of Color und Geflüchtete nicht selbstverständlich ist, dass sie
Polizeigewahrsam, medizinische Behandlungsräume, Unterkünfte oder
Psychiatrien lebend wieder verlassen. Sie müssen vielmehr damit rechnen,
dass sie an diesen Orten – auf Polizeiwachen, auf Krankenhausstationen,
in Anker-Zentren und in anderen Lagern – Gewalt erfahren, dass sie
alleine und hilflos Polizist*innen, Ärzt*innen, Securities oder anderen
Gewalttäter*innen ausgeliefert sind. Sie müssen damit rechnen, dass
diese Orte für sie zur tödlichen Falle werden. Getötet durch die
unmittelbare rassistische Gewalt von Täter*innen in Uniform oder durch
die strukturelle Gewalt eines rassistischen Systems aus Lagern,
Isolation und Missachtung.

Schon die Ingewahrsamnahme folgt rassistischen Prinzipien. Wer als
kriminell und gefährdend betrachtet wird – das entscheiden Beamte,
Behörden und strafrechtliche Institutionen auf Grundlage rassistischer
Zuschreibungen. So ist es für Schwarze Menschen und People of Color viel
wahrscheinlicher, in eine Kontrolle zu geraten und in Gewahrsam genommen
zu werden. Nach der rassistischen Zuschreibung als „kriminell“ oder
„illegal“ folgt dann die rassistische Behandlung in einsperrenden
Institutionen. Dies bedeutet oft psychische Gewalt, kann aber auch
körperliche Gewalt bis hin zur Folter oder Tötung heißen.

Leider wird diese Gewalt meistens als legitim betrachtet. Denn sie diene
ja der sicheren Verwahrung von Menschen, die potentiell gefährlich oder
selbstgefährdend seien oder deren Aufenthaltsberechtigung geklärt werden
müsse. Die strafrechtliche Verfolgung, die Sicherung von Beweismitteln,
die Durchsetzung von Asylpolitik – all dies gibt den Behörden, der
Polizei, den Psychatrien, den Lagern die Handhabe, rassistische Gesetze
durchzusetzen, notfalls mit Gewalt.

In Bremen hat diese Grausamkeit Geschichte geschrieben. 13 Jahre lang
wurde im Bremer Gewahrsam Brechmittel vergeben, meistens unter Zwang.
Zwischen 1991 und 2004 wurden mehr als eintausend Personen mit dieser
Methode zur angeblichen Beweismittelsicherung gefoltert. Gesundheitliche
Folgeschäden der Betroffenen wurden billigend in Kauf genommen, die
Bremer Politik stand hinter der Vergabe. Am 7. Januar 2005 kostete die
zwangsweise Brechmittelvergabe Laye Alama Condé das Leben.

Wir laden alle Interessierten herzlich ein, am 15.03.2020 – dem
Internationalen Tag gegen Polizeigewalt – die Bremer Geschichte und
Gegenwart der rassistischen Gewahrsamnahme kennenzulernen. Auf einem
„Stattspaziergang“ durch die Innenstadt und das Bremer Viertel besuchen
wir die Stationen, die dieses System repräsentieren und wo die
verantwortlichen Akteure zu finden sind, zum Beispiel die Bremer
Bürgerschaft, die Staatsanwaltschaft, den ehemaligen Abschiebeknast im
Wilhelm-Wagenfeld-Haus und weitere. Dort erzählen Aktivist*innen von der
Geschichte, den Kontinuitäten und der Aktualität von Rassismus in
einsperrenden Institutionen.

Die Route endet schließlich im BDP-Haus am Hulsberg, wo es neben einer
Küfa (Küche für alle) Raum zum Nachfragen und Diskutieren geben wird.
Eine Anmeldung zum Spaziergang ist nicht nötig. Es werden Übersetzungen
ins Französische, ins Englische und ins Arabische angeboten.

Veranstaltet vom Bündnis 15.03. – Internationaler Tag gegen
Polizeigewalt in Kooperation mit der Initiative in Gedenken an Laye
Condé, soliport – Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer
Gewaltsolidarisch beraten und unterstützen und der Kampagne für Opfer
rassistischer Polizeigewalt (KOP) Bremen.

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Racist violence in custody – danger through “protection”

Invitation to the “Stattspaziergang” on the occasion of the
International Day against Police Violence on 15.03.2020 – meeting
point 15 o’clock in front of the Bremer Bürgerschaft

At the latest since the deaths of Achidi John, Amad Ahmad, Laye Condé
and Oury Jalloh, we know that it cannot be taken for granted that black
people, People of Color and refugees will leave police custody, medical
treatment rooms, shelters or psychiatric institutions alive. Rather,
they must expect to experience violence in these places – police
stations, hospitals, anchorage centers, and other camps – and to be left
alone and helpless at the mercy of police, doctors, security guards, or
other perpetrators of violence. They have to expect that these places
become a deadly trap for them. Killed by the direct racist violence of
perpetrators in uniform or by the structural violence of a racist system
of camps, isolation and neglection.

Even the imprisonment follows racist principles. Who is considered
criminal and dangerous – this is decided by officials, authorities and
criminal law institutions on the basis of racist attributions. This
makes it much more likely for black people and People of Color to be
subject to controls and to be detained. The racist attribution as
“criminal” or “illegal” is followed by racist treatment in detention
institutions. This often means psychological violence, but can also mean
physical violence up to torture or killing.

Unfortunately, this violence is usually considered legitimate. It is
used for the “safe” custody of people who are considered potentially
dangerous or self-endangering or whose right of residence must be
clarified. The prosecution, the securing of evidence, the enforcement of
asylum policy – all this gives the authorities, the police, the
psychiatrists, the camps the power to enforce racist laws, if necessary
by force.

In Bremen this cruelty has made history. For 13 years, “Brechmittel”
were given in Bremen custody, mostly under force. Between 1991 and 2004
more than one thousand people were tortured with this method for the
preservation of evidence. Consequential damage to the health of those
affected was accepted, and Bremen’s politicians stood behind the
distribution. On January 7, 2005, the forced award of “Brechmittel” did
cost Laye Alama Condé his life.

We cordially invite all people interested to get to know Bremen’s
history and present of racist detention on 15.03.2020 – the
International Day against Police Violence. On a “Stattspaziergang”
through the city center and the Bremer “Viertel” we will visit the
stations that represent this system and where the responsible actors can
be found, for example the Bremen Bürgerschaft, the public prosecutor’s
office, the former deportation prison in the Wilhelm-Wagenfeld-Haus and
others. There, activists tell about the history, continuities and
present of racism in institutions of custody.

The route finally ends at the BDP-Haus on Hulsberg, where there will be
a kitchen for everyone and room for questions and discussions.
Registration for the walk is not necessary. Translations into French,
English and Arabic will be offered.

Organized by Bündnis 15.03. – International Day against Police Violence
in cooperation with “Initiative in Gedenken an Laye Condé”, “soliport – Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt solidarisch
beraten und unterstützen” und der “Kampagne für Opfer rassistischer
Polizeigewalt (KOP) Bremen”.